
Acht Jahre nach dem Konzert in Ost-Berlin: Sir Simon Rattle dirigiert anlässlich der Jubiläumsfeier der Europäischen Union in der Philharmonie die Berliner Philharmoniker (24.03.2007). Foto: dpa
Von Robert Tiesler
Zum ersten Mal seit dem Mauerbau 1961 gastierte das berühmte Orchester im Ostteil der Stadt. Dabei liegen zwischen der Philharmonie in Tiergarten und dem Schauspielhaus in Mitte nur wenige Kilometer. Dazwischen aber war die Mauer. Der Ansturm auf die Karten war riesig, der Abend schon früh ausverkauft. Besonders Pfiffige versuchten es mit Wartegemeinschaften, die eine Woche vor dem Konzert am Schauspielhaus ausharrten. Man wechselte sich in der Schlange ab, um vielleicht doch noch an eine Karte zu kommen.
Da der bisherige Chefdirigent Herbert von Karajan das Orchester gerade verlassen hatte, leitete der US-Amerikaner James Levine die Philharmoniker. Der damalige Direktor der Metropolitan Opera in New York kam in Jeans auf das Podium. Auf dem Programm standen Wagners Siegfried-Idyll, "Don Juan" von Richard Strauss sowie Beethovens 7. Sinfonie. Das Orchester wurde am Ende mit stehenden Ovationen gefeiert. "Welch virtuoses Spiel an allen Pulten!", schrieb das Neue Deutschland.
Walter Momper (SPD), der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, war als Privatperson zum Konzert gekommen. Doch der gemeinsame Spaziergang mit Ost-Berlins Oberbürgermeister Erhard Krack sowie den beiden Ehefrauen durch das Zentrum von Ost-Berlin nach Konzertende hatte durchaus eine politische Dimension, wie die Berliner Morgenpost am Tag danach anmerkte.