Hätte DDR-Staatschef Walter Ulbricht geahnt, dass der 3. Oktober einmal der Tag der Deutschen Einheit würde, er hätte die Eröffnung des Berliner Fernsehturms gewiss verschoben. Doch nun können die Berliner einerseits den Fall der Mauer, anderseits den Bau von 368 Metern Beton feiern.
"Dir ziehen wir schon die Hammelbeine lang." Diese Drohung während der Musterung im Jahre 1962 gab den endgültigen Ausschlag für Wolfgang Ochs. Schon seit längerem fühlte sich der Perleberger eingeengt, er konnte sich mit kritischen Äußerungen über die DDR nicht mehr zurückhalten. Als ihm dann eröffnet wurde, dass er binnen 14 Tagen zur NVA eingezogen werden sollte, stand für ihn felsenfest: "Ich muss hier raus!"
Heidi Bernheiden war in den 60ern zwar keine Studentin, rebelliert hat sie trotzdem. Mit ihren Turn-Freundinnen ging die heute 71-Jährige abends in die Kneipe -- ohne Männer. "Da war was los in Altengroden", erinnert sie sich mit einem Schmunzeln.
Gegen Ende der 60er Jahre erschüttert eine Protestwelle die Republik. Die junge Generation reibt sich am Lebensmodell ihrer Eltern, an den scheinbaren Selbstverständlichkeiten in Gesellschaft und Politik. Die Revolution bleibt zwar schon in den Anfängen stecken, aber die Ideen von Achtundsechzig wirken lange nach, im Guten wie im Schlechten.
Typisch deutsch? Fleiß, Genauigkeit und Pflichtgefühl galten jedenfalls mal als urdeutsche Eigenschaften. Doch darüber lässt sich streiten. Was aber steht dann für dieses Land, diesen Staat, dessen 60. Geburtstag wir feiern?
Die Fresswelle, die Reisewelle, die Sportwelle: Nichts verrät mehr über die Deutschen als ihre Geschmäcker, Moden und Lebensstile. Was Speckrollen, Trimm-Dich-Pfade und orangefarbene Tapeten über die Gesellschaft aussagen, die das Wirtschaftswunder hinterließ.
Es wird ein Jahrzehnt des Knisterns vor Spannungen - in der Politik liegen sie zwischen Ost und West, zwischen CDU/CSU und SPD, in der Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne. In diesem Jahrzehnt sollte die Welt für die nächsten 30 Jahre geteilt sein zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wird der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West undurchlässig.
Es begann als Protest gegen verkrustete Strukturen an den Hochschulen und die Große Koalition, am Ende der Radikalisierung wollten viele Studenten die Revolution. So weit kam es nicht. Doch das Jahr der Revolte hinterließ eine andere Gesellschaft - und eine kleine Gruppe, die später als RAF schreckliche Berühmtheit erlangte.
Vom Autovirus infiziert, hatte ich in meinem Leben viel Glück: Schon in meiner Jugend durfte ich hinter dem Steuer eines Traktors sitzen und mit Mopeds die Landstraßen erobern. Später dann konnte ich als Motorredakteur 28 Jahre lang Hobby mit Beruf verbinden, die kleinsten, aber auch die stärksten und schicksten Wagen fahren. Den tiefsten Eindruck aber hinterließ natürlich mein allererstes Auto.